Breitband in Talheim – Teil 2: Warum geht der Ausbau so zäh?

Wie im Teil 1 unseres kleinen Überblicks über die Breitbandversorgung erwähnt, sind wir in Talheim im nationalen Vergleich überdurchschnittlich gut versorgt. Viele Kommunen in unserer Größe wären froh, wenn sie unsere eine solche Infrastruktur hätte. Anders sieht es aus, wenn man sich die Großstädte anschaut. Der Grund hierfür ist klar: Ein Breitbandversorger erreicht in einer Stadt mit ihrer höheren Zahl von Einwohner auf einer Fläche mit den gleichen Investitionskosten mehr potentielle Kunden. Außerdem verfügen einige Städte über fest eingebaute Kanäle unter den Bürgersteigen, die eine kostengünstige Verlegung ermöglichen. Anders sieht es in ländlichen Gebieten aus. Hier dominieren Ein- oder Zweifamilienhäuser. Je nach Quadratmeterpreis des Baulandes sind die Grundstücke mehr oder weniger groß. In der Heimatregion meiner Frau beträgt die Mindestgrundstücksgröße für ein Einfamilienhaus 1.000 qm. Häufig sind die Grundstücke größer und der Aufsitzrasenmäher  gehört zur Grundausstattung. Wir in Talheim sind ein sogn. Verdichtungsraum, also weder städtisch noch ausschließlich ländlich geprägt (Grundstücksgröße bei uns für ein Einfamilienhaus: ca 400 – 500 qm). Die Übertragungsrate in der Heimatregion meiner Frau bewegen sich in den Regionen, die wir hier in Talheim mit DSL vor dem Ausbau durch KabelBW/Unitiy Media hatten. Die Älteren unter uns erinnern sich sicherlich.

Ein Grund für einen zögerlichen Ausbau ist also die Bevölkerungsdichte. Für Gewerbegebiete sieht es ähnlich aus: Bezogen auf die Gesamtfläche relativ wenige potentielle Kunden. Dafür hat man aber hier auch Kunden die bereit sind, einen höheren Preis für einen leistungsstarken Breitbandanschluss zu bezahlen. Wie bereits im Teil 1 erwähnt, ist das Gewerbegebiet Rauher Stich derzeit unser Sorgenkind. Konstruktionszeichnungen und Fertigungsunterlagen werden nicht mehr mit der Gelben Post oder RegioMail in Papierform versendet. Auch Aufträge und Rechnungen gehen elektronisch rein und raus, das gute alte Faxgerät ist auf dem absteigenden Ast. Mit Elster werden die Daten mit dem Finanzamt ausgetauscht, für Gewerbetreibende ist dies Pflicht. Es wird kein Steuerprogramm mehr geben, welches nicht über die Möglichkeit verfügt, über Elster mit dem Finanzamt zu kommunizieren. Dies alles macht ja auch Sinn, weil Sender und Empfänger die Daten elektronisch verarbeiten. Schiebt man hier Papier als Übertragungsmedium dazwischen, entstehen nur unnötige Kosten.

Unser Gewerbegebiet Rauher Stich wurde von der Telekom im Zuge von Erschließungsarbeiten im Bereich Schmalzberg mit einem Outdoor DSLAM versorgt. Standort ist an der alten Brücke über die Schozach an der B27. Jeder Tag, an dem diese Technik in Betrieb ist, spült es Geld in die Kasse der Telekom, die Kosten dürften minimal sein. Konkurrenz gibt es nicht. Dass die Telekom aus eigenem Antrieb hier für eine bessere Versorgung investiert ist also eher unwahrscheinlich. Ein weiterer Grund für den zähen Ausbau ist also die Laufzeit der Technik: Je länger diese in Betrieb ist, desto mehr wird daran verdient. Für uns als Gemeinde Talheim ist aber sehr wichtig, dass unser Gewerbestandort attraktiv bleibt und dabei ist ein entsprechender Breitbandzugang ein wichtige Standortfaktor. Deshalb wird die BIT e.V. sich auch weiterhin dafür einsetzen, dass unser Gewerbegebiet eine zeitgemäße Breitbandversorgung erhält.

Breitband in Talheim – Teil 2: Warum geht der Ausbau so zäh?

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