Lärmaktionsplan der Gemeinde Talheim: Was geht mich das an?

Auf der Gemeinderatssitzung am 12.12.2016 wurde in öffentlicher Sitzung der Lärmaktionsplan der Gemeinde Talheim vorgestellt. Falls Sie nie auf den Durchgangsstraßen unserer Gemeinde unterwegs sind oder nicht in den betroffenen Straßen wohnen, können Sie aufhören mit lesen. Andernfalls gehören Sie zu dem Personenkreis, der in nächster Zeit die Auswirkungen aus diesem Plan zu sehen bekommen wird.

Um was geht es eigentlich? Jedem von Ihnen ist bekannt, dass es Grenzwerte für Lärm gibt. In Betrieben müssen für die Arbeitnehmer entsprechende Maßnahmen vorgesehen werden, wenn Sie an ihrem Arbeitsplatz ständig einer gewissen Geräuschemission ausgesetzt sind. Da die Gesundheitsgefährdung durch Lärm unabhängig davon ist, ob dieser im beruflichen oder privaten Umfeld auftritt, gelten Grenzwerte auch für Wohngebäude. Damit stellt sich die Frage, wie man die Bewohner der Häuser, die einem gewissen Lärm ausgesetzt sind, schützen kann. Viele der betroffenen Häuser wurden übrigens vor der Erfindung des Automobils gebaut.

Natürlich kann man sagen, dass diejenigen, die dort leben, einfach weg ziehen sollten. Es gibt bekanntlich Ecken in Talheim, die sehr ruhig sind. Schließlich möchte ich auf entsprechend ausgebauten Straßen schnell und bequem von A nach B kommen. Ist halt Pech, wenn man gerade dort wohnt, wo der meiste Verkehr ist. Hätte man sich halt früher überlegen sollen. Leider stimmt diese Überlegung nicht ganz. Einige der Bewohner der betroffenen Straßen leben dort seit Jahrzehnten. Es gibt sogar Bewohner, die nie an einem anderen Ort gewohnt haben. Nicht sie sind zum Lärm gekommen, sondern der Lärm zu ihnen.

Damit stellt sich der Gegensatz wie folgt dar: Innerörtliche Wohnqualität steht im Widerspruch zur autofreundlichen Ortsdurchfahrt. Man kann sogar so weit gehen, dass man sagen kann: Eine lebendiger Ort steht im Widerspruch zum motorisiertem Verkehr. Möchte man also eine belebte Ortsmitte, dann darf dort kein wahrnehmbarer Straßenlärm auftreten. Somit ist der Lärmaktionsplan auch ein Baustein, um die Ortsmitte attraktiv für alle Einwohnerinnen und Einwohner zu gestalten. Die Straßen und Wege sind nicht nur dafür da, damit  der motorisierte Verkehrsteilnehmer schnell von A nach B gelangen kann. Die Ortsmitte lebendiger zu gestalten wurde übrigens auch von den Bürgerinnen und Bürger gefordert, die an der Gemeindeentwicklungsplanung Talheim 2025 mitgearbeitet haben.

Wie der Lärmaktionsplan zeigt, sind die Bewohner an den Durchgangsstraßen einer nicht unerheblichen Belastung durch Lärm ausgesetzt. Deshalb wird darin vorgeschlagen, dass in der Untergruppenbacher Straße, Bergstraße und Hauptstraße Tempo 30 eingeführt werden soll. Für die Bahnhofstraße lautet die Empfehlung, bei der Sanierung einen sogn. Flüsterasphalt aufzubringen. Werden die vorgeschlagenen Maßnahmen umgesetzt, so werden dies alle Einwohnerinnen und Einwohner bemerken. Der Gemeinderat ging in seiner Mehrheit noch einen Schritt weiter und befürwortet auch die Einführung von Tempo 30 in der Bahnhofstraße. Jedoch ist für eine Geschwindigkeitsbegrenzung innerorts nicht der Gemeinderat zuständig. Hier hat auch das Landratsamt Heilbronn ein gewichtiges Wörtchen mitzureden.

Beschlossen ist aber noch gar nichts. Bis 31.01.2017 haben alle Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit, Stellungnahmen und Anregungen vorzubringen. Jetzt ist die Zeit, in der Sie auf eine mögliche Entscheidung Einfluss nehmen können. Sowohl in die eine als auch in die andere Richtung. Es ist nicht verboten, auch seine Zustimmung zum Ausdruck zu bringen. Natürlich besteht auch die Möglichkeit, diese Thematik auf dem nächsten BIT – Bürgertreff am Donnerstag, 19. Januar 2017 zu diskutieren. Was Sie aber auf keinen Fall tun sollten ist, bis zum 31.01.2017 nichts zu tun und danach die Entscheidung des Gemeinderates, egal wie sie ausfällt, zu kritisieren.

Lärmaktionsplan der Gemeinde Talheim: Was geht mich das an?

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