Pflegeheim – Wie geht es weiter?

Der Standort für das Pflegeheim in Talheim sorgt weiterhin für Diskussionen in unserer Gemeinde. Es gibt Befürworter, es gibt aber auch Gegner. Für die Bürgerinnen und Bürger schoss der neue Standort in den Tannenäcker wie ein Pilz aus dem Boden. Einige stellten auch die Frage nach der Bürgerbeteiligung bei einer so wichtigen Frage für unsere Gemeinde. Auch wir sind, unabhängig von der Position, nicht zufrieden mit der bisherigen Bürgerbeteiligung bei einer so wichtigen Frage. Vermutlich hatte man von Seiten der Verwaltung die Befürchtung, dass die Verhandlungen sich erschweren könnten, wenn man zu früh an die Öffentlichkeit geht.

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Wie geht es denn jetzt weiter? Der geplante Standort ist außerhalb eines Bebauungsplanes. Er befindet sich im Außenbereich des Flächennutzungsplanes. Welche Bebauung im Außenbereich zulässig sind, regelt der §35 Baugesetzbuch. Pflegeheime gehören nicht dazu. Damit an dieser Stelle gebaut werden kann, ist eine Änderung des Flächennutzungsplans notwendig. Außerdem ist ein Bebauungsplan zu erstellen. Bei solchen Änderung sieht der Gesetzgeber vor, dass diese veröffentlicht werden müssen. Die Bürgerinnen und Bürger haben das Recht, hier Einwände vorzubringen. Jeder Einwand muss bearbeitet werden bzw. es muss eine Stellungnahme erfolgen.

Es war übrigens kein Versehen, dass dieser Bereich zwischen Tannenäcker und Hühnerbrünnele im aktuellen Flächennutzungsplan nicht für eine Bebauung vorgesehen ist. Darauf wurde aus zwei Gründen verzichtet: Der Bereich ist wichtig für die Frischluftzufuhr im Tal und man wollte das Gebiet hinter der Burg nicht bebauen, um das typische Ortsbild mit der Burg im Mittelpunkt zu erhalten. Diese Entscheidung hat der Gemeinderat in den 80er Jahren des vorherigen Jahrhunderts gefällt. Auch ökologische Gründe haben dafür gesprochen, hier einen grünen Bereich zu schaffen und nicht jede ortsnahe Fläche für eine Bebauung freizugeben. Dies gilt im übrigen so oder so ähnlich auch für andere ortsnahe Grünflächen. Hier stellt sich natürlich die Frage: Ist dies dann der Präzedenzfall, mit dem andere bisherige Grünflächen für eine Bebauung frei gegeben werden?

Die BIT hat sowohl mündlich als auch schriftlich eine stärkere Beteiligung der Bürger angemahnt. Diese Entscheidung, sowohl für das Pflegeheim als auch für den Standort, wird mit Sicherheit die nächsten 30 bis 40 Jahre Bestand haben. Eine Entscheidung von solcher Tragweite sollte nicht über die Köpfe der Bürgerinnen und Bürger gefällt werden. Unabhängig davon, ob man diese Standortentscheidung befürwortet oder nicht und unabhängig davon, wie viele unserer Mitbürgerinnen und Mitbürger sich überhaupt für dieses Thematik interessieren.

Uns wurde zugesagt, dass es neben der gesetzlich erforderlichen Möglichkeit der Bürgerinnen und Bürger bei der Änderung des Flächennutzungsplans ihre Bedenken vorzutragen, einen weiteren Termin geben wird, an dem das Konzept für eine solche Einrichtung diskutiert werden soll. Der Grund, überhaupt ein Pflegeheim in Talheim zu bauen ist doch der, dass unsere pflegebedürftigen Talheimerinnen und Talheimer in einem evtl. hohen Alter ihren Wohnort verlassen müssen. Das Problem ist hierbei nicht nur der Umzug als solcher. Es bedeutet auch einen Verlust an sozialen Kontakten. (Für die jüngere Generation: Wir reden hier nicht über Facebook, Twitter & Co sondern über soziale Kontake, die ohne Hilfe von Laptop und Smartphone gelebt werden.) Diesem Verlust an sozialen Kontakten möchte man mit einem Pflegeheim am Ort begegnen und dieses Ziel darf man auch nicht aus den Augen verlieren.

Pflegeheim – Wie geht es weiter?

4 Kommentare zu “Pflegeheim – Wie geht es weiter?

  • 4. April 2015 um 8:50
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    Meiner Meinung nach sollten die Tannenäcker aus den oben genannten, aus den 80er Jahren stammenden Gründe nicht bebaut werden. Man hat sich damals schon was überlegt warum und weshalb eine Bebauung eher von Nachteil wäre. Die Umstände haben sich nicht verändert, aber manchmal hat man den Eindruck, dass unter der derzeitigen Leitung der Gemeindeverwaltung nach dem Motto verfahren wird: Was interessiert mich das dumme Geschwätz meiner Vorgänger.
    Die Entscheidungen von damals werden heute von Leuten über den Haufen geworfen, die damals noch nicht mal Talheim schreiben konnten.
    Hier muss die Bevölkerung, insbesondere die im näheren Umfeld wohnende, unbedingt mit eingebunden und entscheidend beteiligt werden.

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