Pflegeheim

Jahrelang war der Platz am alten Feuerwehrhaus der favorisierte Platz. Niemand hat an eine Alternative gedacht. Aufgrund von 100 qm wurde die Planung von Seiten der Verwaltung verworfen und in recht kurzer Zeit wurde eine Alternative präsentiert, die auf den ersten Blick ein sehr sehr schöner Standort ist, der am Tannenäcker. Jetzt haben wir 300 qm mehr und der Kelterplatz kam somit wieder ins Spiel und das zurecht.
Ein unbebautes Baumstückle oder ein neu zu gestaltender Platz stehen sich nun gegenüber.

Rein von der Höhe der geplanten Bebauung passt sich eine Höhe von drei Stockwerken am Kelterplatz in die bestehende Bebauung ein, schaut man sich die Gebäude dort ringsum an so sind diese zweieinhalb bis drei Stockwerke hoch. Am Tannenäcker sieht diese gemäßigter aus.

Eine Möglichkeit, die so noch nie ausgesprochen wurde aber durchaus relevant sein dürfte, warum vom Kelterplatz auf ein gänzlich unbebautes Gelände im so genannten Außenbereich gegangen wird ist, dass für ein Alten- und Pflegeheim am Tannenäcker eine Ausnahmegenehmigung erfolgt. So hat die Gemeinde am Kelterplatz Baugrundstücke für andere Bauvorhaben zur Verfügung, die verkauft werden können z.B. für Mehrgeschossbau. Denn brach wird der Kelterplatz nicht bleiben. Durchaus ist möglich, wie in der Nachbarschaft ebenfalls geplant, betreutes Wohnen genau dort aber durch einen anderen, freien Bauträger entstehen zu lassen.

In Sitzungen war, um den Platz am Tannenäcker auf zu werten, eine verbale Abwertung eines Standortes der Schozach entlang, zu hören. Jetzt wohnen dort ja nicht wenige Talheimer, es gibt sogar Neubauten in dieser so bezeichneten, kalten, feuchten, dunklen Gegend! So etwas sollte einfach unterbleiben denn es diskreditiert alle dort Ansässigen.

Ein Punktesystem soll die Lösung für die Entscheidung bringen, doch wie stark bewerten wir welches Argument? Wird hier nicht versucht subjektiven Kriterien einen objektiven Mantel zu geben?

Alle Fakten sind wichtig. Gerne wurde angeführt, dass die meisten Bewohner gar nicht mehr in der Lage sind das Pflegeheim zu verlassen. Das stimmt! Jedoch sind 30 bis 40% offensichtlich dazu sowohl geistig als auch körperlich doch in der Lage, eigene Entscheidungen zu treffen und diese um zu setzten! Das sagt eine interessante Doktorarbeit aus und ist ebenfalls in den Statistiken des Landratsamtes zu lesen.

Der wichtigste Aspekt für die Bewohner ist, dass die Mitarbeiter freundlich und respektvoll sind, dass sie Sorgfalt walten lassen und liebevoll auf die zu Betreuenden eingehen. Hier können wir durch die Wahl des Betreibers versuchen eine gute Möglichkeit zu bieten.

Beim Standort Tannenäcker wird sofort angeführt, dass eine Busanbindung erfolgen wird. Für was? Um die Bewohner genau dorthin zu bringen wo diese wohnen könnten, nämlich nach unten ins Dorf. Wir werden für den Mehreinsatz des Busses extra bezahlen und gleichzeitig doch eine Einschränkung der Mobilität der Bewohner hinnehmen. Der Bus wird nämlich nicht täglich fahren, das kann sich Talheim nicht leisten, sonst würden wir es ja heute schon so haben.

Unten im Dorf haben wir unsere Geschäfte, Kaffees, Ärzte, die Apotheke, unser Rathaus. Es finden fast sämtliche Vereinsveranstaltungen im Zentrum statt. Überwiegend im Kulturtreff oder Musikpavillon, egal ob Rentnernachmittag, Landfrauen, Seniorengymnastik, Strickkreis usw. . Das ist das Stück Unabhängigkeit für das wir uns entscheiden können. Das ist für mich das ausschlaggebende Argument. Unten kann jemand mit Rollator seine kleine Runde drehen – den Wanderweg entlang, zur Quelle (wo ein Bürgerpark entstehen soll), Richtung Rathausplatz. Menschen im Rollstuhl können geschoben werden, von Mitarbeitern, Ehrenamtlichen und Angehörigen. Das geht unten, weil es eben ist!

Schaut man sich Werbebroschüren von neuen Pflegeheimen an oder auch Leitlinien, Informationen von offizieller Seite – dem Landratsamt, in der Berichterstattung der Medien wird ein Punkt immer genannt – Anbindung an das Gemeindeleben und damit ist nicht das extra für diese Einrichtung organisierte Gemeindeleben gemeint, sondern die bestehende Infrastruktur und Veranstaltungen von Vereinen und Kirchen. Ganz wichtig ist die zentrale Lage. Zitat aus der Broschüre, Wohnen im Alter, Herausgeber das Landratsamt:möglichst zentral gelegen, so dass auch noch bei eingeschränkter Beweglichkeit die alltäglichen Besorgungen möglichst lange selbst erledigt werden können. Mit einem möglichen Betreiber des Pflegeheims hatte ich im September 2014 korrespondiert und auch dieser gibt als Standortfaktor an: Zentrumsnah, möglichst barrierefrei und möglichst keine Hanglage!!!!

Momentan gibt es vom Tannenäcker ins Dorf keinen einzigen Fußweg, der mit einem Rollator oder Rollstuhl genommen werden kann.

Es gleicht einer Anmaßung allen Heimbewohnern schon im Vorfeld abzusprechen, dass diese noch irgendwelche Besorgungen selbst erledigen könnten und wollten. Es entspricht auch nicht der Realität.  Nach Gesprächen mit Pflegepersonal sind die, welche noch in der Lage sind begeisterte Einkäufer und Spaziergänger.

Sicher wäre eine noch zentralere Lage noch besser, momentan gibt es aber keine realisierbaren Alternativen.

Es gibt 866 Unterschriften, die sich gegen den Standort Tannenäcker verwenden. Aus den unterschiedlichsten Gründen. Es gibt welche, die dort wohnen und ihre Wohnqualität gefährdet sehen, legitim und das kann so ausgesprochen werden. Es gibt aber eben genauso welche, die für sich überlegen, dass wenn sie selbst in dieses Heim kommen, wo für sie die besseren Möglichkeiten bestehen und da sehen sie am Standort Feuerwehrhaus die besseren. Das Schreiben der Bürgerinitative enthält folgenden Wortlaut: Aus meiner Sicht ist der Standort denkbar ungeeignet für die Errichtung eines Alten- und Pflegeheims. Zum einen befinden sich hier keine Spazierwege ohne Steigungen, zum anderen aufgrund der schlechten Erreichbarkeit der Ortsmitte. Die Bewohner/innen des Alten- und Pflegeheims werden so völlig von der Teilnahme am öffentlichen Leben -welches nun mal im Ortskern stattfindet- „isoliert“.

Die Gemeinde hatte im übrigen in der Gemeindeentwicklungsplanung unter Leitung von Architekten/Stadtplaner Zoll unter dem Punkt Landschaft,Natur, Umwelt tatsächlich für den Standort Tannenäcker vorgesehen: Erhalt nicht bebauter Flächen, die als „Landschaftsfinger“ in die bebaute Ortslage hineinragen. So zu sehen auf der Homepage der Gemeinde.

Gerne hätte ich eine unabhängige Befragung alles Talheimer über einen Fragebogen in der Gesamtausgabe des Gemeindeblattes, dann könnten wir die Zahlen der „Gegner“ und Befürworter, vielleicht auch neue Argumente abwägen. Niemand wäre gedrängt mitzumachen und kann ohne Zeitdruck ganz für sich entscheiden.

Sylvia Hofmann-Meile

Pflegeheim

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